Bereitschaftspflege 

 

Bereitschaftspflege: 

Was steckt dahinter?


Die Bereitschaftspflege ist eine wertvolle Unterstützung für Kinder, die sich in einer akuten Notsituation befinden und dringend Schutz sowie Stabilität benötigen. In einer solchen Phase bieten Pflegefamilien ein sicheres und liebevolles Zuhause, bis eine langfristige Lösung für das Kind gefunden werden kann.
Wie kommt es zur Bereitschaftspflege? Die Bereitschaftspflege wird oft vom Jugendamt organisiert, wenn ein Kind aufgrund von Kindeswohlgefährdung in Obhut genommen wird. Dies kann geschehen, wenn die Eltern momentan nicht in der Lage sind, dem Kind eine gesunde und sichere Entwicklung zu ermöglichen.

Was bietet die Bereitschaftspflege? Die Pflegefamilien übernehmen eine Vielzahl an Aufgaben, die dem Kind zu Gute kommen:

  • Schutz und Sicherheit: Das Kind wird in einem sicheren Umfeld betreut und geschützt.
  • Perspektivklärung: Es wird gemeinsam mit Fachkräften eine Perspektive für das Kind entwickelt.
  • Zuwendung und Aufmerksamkeit: Das Kind erhält in dieser Zeit viel Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge.
  • Stabilität und Struktur: Die Pflegefamilie sorgt für klare Strukturen und einen stabilen Tagesablauf.
  • Verlässlichkeit und Bindungsangebote: Das Kind kann sich auf verlässliche Bezugspersonen verlassen und Bindungen aufbauen.


Wie lange dauert die Bereitschaftspflege? Die Dauer der Bereitschaftspflege variiert je nach Situation und Bedarf des Kindes. In vielen Fällen erfolgt die Aufnahme kurzfristig, manchmal innerhalb weniger Stunden. Die Pflegezeit kann mehrere Wochen oder Monate dauern, abhängig von den Entwicklungen und den festgelegten Zielen für das Kind. In bestimmten Fällen kann es auch vorkommen, dass eine Bereitschaftspflegefamilie das Kind dauerhaft bei sich aufnimmt, wenn keine andere Lösung gefunden wird.

Was sind die Anforderungen an Bereitschaftspflegeeltern? Bereitschaftspflegeeltern übernehmen eine verantwortungsvolle Aufgabe und müssen in der Lage sein, den besonderen Bedürfnissen des Kindes gerecht zu werden. Die Anforderungen umfassen:

  • Soziale Kompetenz: Die Fähigkeit, einfühlsam auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen.
  • Flexibilität: Bereitschaft, sich auf die wechselnden Anforderungen und Herausforderungen einzustellen.
  • Belastbarkeit: Fähigkeit, mit emotionalen und praktischen Herausforderungen gut umzugehen.
  • Erfahrung mit Kindern: Idealerweise haben Bereitschaftspflegeeltern bereits Erfahrung in der Erziehung von Kindern.
  • Bereitschaft zur intensiven Betreuung: Die Bereitschaft, ein Kind über einen begrenzten Zeitraum hinweg intensiv zu betreuen und ihm zu helfen.

Bereitschaftspflege ist eine wunderbare Möglichkeit, einem Kind in einer schwierigen Lebenslage zur Seite zu stehen und ihm die Unterstützung zu bieten, die es braucht, um wieder auf einen stabilen Lebensweg zu kommen


Warum -

Bereitschaftspflege für Säuglinge?



Das ist wirklich eine gute Frage, und die Antwort darauf ist genauso unvorhersehbar wie unser Weg, der uns schließlich zur Bereitschaftspflege für Säuglinge geführt hat. Zunächst hatten wir überlegt, ein Pflegekind aufzunehmen. Wir wussten, dass es eine große und verantwortungsvolle Aufgabe ist, und wir waren uns nicht sicher, ob dieses Kind wirklich in unseren Familienalltag passen würde.
Wir hatten einige Freunde in unserer Gemeinde, die bereits Pflegekinder betreuten, und so hatten wir einen ersten Eindruck davon, was es bedeutet, Pflegeeltern zu sein. Ihre Geschichten, ihre Herausforderungen, aber auch die schönen Momente, die sie erlebten, machten uns nachdenklich und gaben uns einen ersten Eindruck, was wir erwarten könnten.

Trotzdem waren wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht sicher, ob wir wirklich bereit waren, eine solche Verantwortung zu übernehmen. 
Es war nicht nur die Frage, ob wir es schaffen würden, sondern auch, ob es gut für das Kind wäre, in unserer Familie aufzuwachsen. 
Wir wollten nichts überstürzen, sondern sicherstellen, dass wir in der Lage sind, einem Kind in einer schwierigen Lebenssituation wirklich zu helfen. Dann kam der Wendepunkt. Meine Freundin, die Sozialpädagogin ist und im Jugendamt arbeitet, hatte immer wieder Gespräche mit uns über dieses Thema. Sie kannte uns gut und wusste, wie sehr wir uns um andere Menschen kümmern und wie wichtig uns Familie und Fürsorge sind. Immer wieder sagte sie zu uns: „Ihr seid eine Familie, der ich wirklich zutraue, Bereitschaftspflege zu übernehmen. 
Ihr habt die richtigen Werte und die nötige Stabilität. Wollt ihr es nicht einfach mal ausprobieren?“

Zuerst waren wir zögerlich. Es war eine große Entscheidung, die nicht nur unser Leben, sondern auch das Leben eines kleinen Menschen verändern würde. Doch je mehr wir darüber nachdachten, desto klarer wurde uns, dass wir diese Verantwortung vielleicht wirklich tragen konnten. Wir wollten diesem kleinen, schutzbedürftigen Menschen eine Chance geben, Sicherheit und Geborgenheit zu erleben – und uns selbst die Gelegenheit, zu wachsen und zu lernen.


Der Alltag mit einem Bereitschaftsbaby:

Eine Reise voller Herausforderungen und Liebe


 
Der Alltag mit Bereitschaftsbabys war für uns eine Reise, die uns von Anfang an herausforderte und gleichzeitig mit unermesslicher Liebe und Dankbarkeit erfüllte. Zu Beginn war es alles andere als einfach. Wir dachten vielleicht, dass diese kleinen, bezaubernden Wesen noch keine Lasten des Lebens tragen würden doch das war ein großer Irrtum. Jedes Kind, das zu uns kam, hatte seine eigene Geschichte, seine eigenen Erfahrungen, die es mit sich brachte. Und viele dieser Geschichten begannen weit vor der Geburt.

Es war kaum zu fassen, wie viel ein Baby bereits im Mutterleib wahrnahm. Auch wenn es noch nicht in der Welt war, hörte es die Geräusche, fühlte die Emotionen der Mutter und spürte die Umstände, unter denen es heranwuchs. Was viele nicht wussten, war, dass die genetische Veranlagung eine Rolle spielte ebenso wie der Abschied der Mutter, der Verlust des vertrauten Geruchs, das Fehlen des Geborgenheitsgefühls, das es vielleicht schon zu früh verlassen musste. All diese „Päckchen“ brachten die Babys mit, noch bevor sie in unser Leben traten. Und es war unsere Aufgabe, sie aufzufangen, ihnen Sicherheit und Liebe zu geben so gut wir konnten.
Als diese Babys zu uns kamen, waren sie zarte, verletzliche Wesen, die in einer Welt ankamen, die sie noch nicht kannten. Sie weinten, waren oft unruhig und schienen Trost zu suchen, den sie selbst noch nicht benennen konnten. Wir fragten uns, was diese kleinen Wesen wohl schon durchgemacht hatten, warum sie so viel Kummer in ihren winzigen Augen trugen. Doch die Antwort darauf wussten wir nicht. Wir wussten nur, dass sie jetzt bei uns waren – und dass wir ihnen das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit vermitteln durften.

Die ersten Nächte und Tage waren nicht einfach. Es war eine emotionale Herausforderung, die Babys zu beruhigen, ihnen zu helfen, die verlorene Nähe wiederzufinden. Diese ersten Tage waren von Unsicherheit geprägt, von stundenlangem Tragen, Wiegen, Füttern und dem leisen Flüstern beruhigender Worte. Wir hatten es mit kleinen Menschen zu tun, die durch all das, was sie schon erlebt hatten, eine andere Sicht auf die Welt hatten eine Sicht, die noch von Angst, Trauer und Ungewissheit durchzogen war. Doch auch wenn es sich manchmal so anfühlte, als ob die Babys niemals zur Ruhe kommen würden, wussten wir, dass auch diese Tage vorbeigehen würden.
Ja, diese Kinder schliefen auch in unserem Bett. Anfangs war es einfach die einzige Möglichkeit, sie zu beruhigen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie sicher waren. Nacht für Nacht trugen wir sie sanft in den Schlaf, schlossen sie in unsere Arme und schliefen zusammen mit ihnen. Es war, als hätten wir uns mit diesen winzigen Wesen auf eine ganz besondere Art verbunden. In diesen Momenten waren sie nicht einfach nur Pflegekinder; sie wurden ein Teil unserer Familie. Und das durften sie auch sein.
Es war ein Teil unseres Lebens, dass wir sie nicht nur betreuten, sondern dass sie auch wirklich bei uns waren – so nah, wie es nur ging. 
Wir trugen sie, in der Hoffnung, dass sie durch unsere Nähe ein kleines Stück von dem zurückbekommen konnten, was ihnen so früh genommen worden war. Diese Kinder hatten es verdient, zu spüren, dass es Menschen gab, die sich um sie kümmerten, die sie nicht nur versorgten, sondern auch liebten. Liebe war nicht nur ein Gefühl, sondern eine Entscheidung.

Die Herausforderung, Bereitschaftsbabys in unsere Familie zu integrieren, war enorm. Es ging nicht nur um die logistischen Fragen des Alltags wer kümmerte sich um die Babys, wer sorgte für ihre Bedürfnisse, wer stand nachts auf, wenn sie weinten. 
Es ging um viel mehr. Wir gaben ihnen einen sicheren Raum, in dem sie aufblühen konnten, und zwar so lange, wie es notwendig war – manchmal für Wochen, manchmal für Monate.

Doch die Realität war, dass es auch Momente gab, in denen wir uns hilflos fühlten. Momente, in denen wir uns fragten, ob wir wirklich genug tun konnten, ob wir genug Liebe und Geborgenheit geben konnten. Es gab Nächte, in denen die Babys weinten, und wir einfach nicht wussten, warum. Aber genau in diesen Momenten merkten wir, wie tief diese Verbindung zwischen uns wuchs. Mit jedem Tag verstanden wir mehr, was es bedeutete, wirklich füreinander da zu sein nicht nur in den glücklichen Momenten, sondern auch in den schwierigen.
Es war ein ständiger Balanceakt zwischen Nähe und Abstand, zwischen Geben und Empfangen. Wir mussten lernen, dass wir nicht immer die Lösung für alles hatten. Manchmal ging es nur darum, da zu sein, mit offenen Armen und Herzen. Es war eine Reise, die uns als Familie veränderte, die uns lehrte, was wahre Fürsorge bedeutete und wie wichtig es war, füreinander da zu sein
 auch wenn der Weg nicht immer einfach war.

Am Ende des Tages, wenn wir die Babys in den Schlaf wiegten, wenn sie in unseren Armen zur Ruhe kamen, wussten wir, dass wir ihnen ein Stückchen Geborgenheit und Liebe geschenkt hatten. Und das war es, was zählte. Das war es, was den Alltag mit Bereitschaftsbabys so besonders machte. Denn auch wenn es nur für eine Weile war, hatten wir gemeinsam eine Zeit erlebt, in der wir füreinander da gewesen waren und dafür waren wir unendlich dankbar.

 

Die leiblichen Eltern


In der Arbeit mit Bereitschaftsbabys kam man den leiblichen Eltern oft näher, auch wenn die Umstände häufig schwieriger und emotional belastender waren, als man sich vorstellen konnte. Man traf sie meistens während der Besuchstage, die häufig im Jugendamt stattfanden, und diese Begegnungen waren oft von intensiven Spannungen und ungelösten Gefühlen geprägt. Es war eine Tatsache, dass man zu 90 % die Eltern der Kinder kennenlernte.

Oft spürte man eine tiefe Ablehnung und eine spürbare Anspannung im Raum, die von den Eltern ausging. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich gelernt habe, mit diesen Gefühlen und der oft unausgesprochenen Ablehnung umzugehen. Doch was mich immer wieder nachdenklich gemacht hat, war die Tatsache, dass viele dieser Eltern, obwohl sie Fehler gemacht hatten und sich in schwierigen Lebenssituationen befanden, im Grunde auch leid taten. Sie hatten oft nicht die nötigen Ressourcen oder die Stabilität, um ihren Kindern die bestmögliche Zukunft zu bieten. Viele waren jung oder litten an psychischen Erkrankungen, und sie hatten nicht die Chance, ihre Kinder so großzuziehen, wie es vielleicht der Idealfall wäre. Sie durften ihre Kinder nur für eine begrenzte Zeit in der Woche sehen, und diese Besuche waren häufig von Traurigkeit und Hilflosigkeit geprägt.

Der Schmerz, das eigene Kind nicht täglich in den Arm zu nehmen, nicht zu kuscheln oder es in den Schlaf zu wiegen, muss unvorstellbar sein. Ich konnte mir den inneren Konflikt und die Wut der Eltern gut vorstellen es waren ihre Kinder, aber sie konnten sie im Moment nicht großziehen. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt, die sie durchlebten, während sie ihre Kinder in den Händen von Fremden lassen mussten, aus denen sie keine Kontrolle hatten. Hinzu kam noch die schwierige Realität, mit dem Wissen zu leben, dass man nicht genug getan hatte, dass man es nicht geschafft hatte, für sein eigenes Kind zu sorgen, dass man es nicht bei sich wohnen lassen durfte. Diese Eltern hatten mehr als wir es uns vielleicht vorstellen können, ein Leben voller Schmerz, oft auch eine Geschichte von Verlust und Trauma, und die Trennung von ihrem Kind war nur der Gipfel einer langen und schwierigen Reise.

Aber auch wenn es Eltern gab, die kein Interesse an ihren Kindern zeigten, war ich nicht der Meinung, dass dies einfach nur Gleichgültigkeit war. Vielmehr sah ich es als einen Selbstschutzmechanismus. Vielleicht hatten sie so viele Verluste erlitten, so viele schmerzhafte Erfahrungen gemacht, dass es leichter war, sich emotional zu distanzieren, um sich nicht noch weiter zu verletzen. Der Weg, der zu dieser Distanz führte, war schmerzhaft und kompliziert, und es war schwer, ihn zu begreifen, ohne in den Kopf dieser Eltern blicken zu können.

Die Realität der Bereitschaftspflege und der schwierigen, oft tragischen Geschichten hinter jedem Kind war eine, die den Raum für viel Empathie und Mitgefühl öffnete sowohl für die Kinder als auch für die leiblichen Eltern. Ich persönlich fand, dass das Konzept der Bereitschaftspflege in vielen Fällen noch nicht ausgereift war. Natürlich gab es mittlerweile Mutter-Kind-Heime, in denen junge Mütter und Väter unterstützt wurden, aber auch das schien mir noch nicht der endgültige Lösungsansatz zu sein.

Warum gab es nicht mehr ganzheitliche Ansätze, die nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern stärker unterstützten und begleiteten? Warum gab es nicht mehr Möglichkeiten, den Eltern zu helfen, sich besser um ihre Kinder kümmern zu können, damit sie nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis bei ihren Kindern bleiben konnten? Denn in diesem Prozess gab es so viel Schmerz sowohl für die Kinder als auch für die Eltern. Vielleicht war es notwendig, einen anderen Blick auf das Thema Pflegefamilien und die Unterstützung der leiblichen Eltern zu werfen, damit nicht nur die Kinder, sondern auch die Familien als Ganzes die Hilfe erhielten, die sie wirklich benötigten.

Als Mutter von vier eigenen Kindern konnte ich den Schmerz, den diese Eltern durchlebten, gut nachvollziehen. Es war unvorstellbar, sein Kind nicht bei sich haben zu dürfen, nicht den Alltag mit ihm zu verbringen, nicht die kleinen Momente des Aufwachsens mitzuerleben. Dieser Schmerz musste tief und durchdringend sein


Wir müssen alle daran arbeiten, diese komplexe Situation besser zu verstehen und vielleicht irgendwann einen Weg zu finden, wie mehr Eltern die Chance bekommen könnten, für ihre Kinder zu sorgen und diese schmerzliche Trennung zu vermeiden.

Abschied 

Unsere kleinen Mäuse waren ganz verschiedene kleine Charaktere, aber jeder einzelne von ihnen war ein wunderbares Wesen.
Einige kamen direkt von der Entbindungsstation, einer von der Intensivstation oder auch direkt von den Eltern. Sie waren nicht nur Gäste bei uns in dieser Zeit, sondern ein echter Teil der Familie. Ja, es war nur ein vorübergehendes Zuhause, und das wussten wir.
Doch was bedeutet es, ein Kind wieder loszulassen?

Ich erinnere mich noch gut, als mir ein Mitarbeiter des Jugendamtes damals sagte, dass diese kleinen Wesen ein Hormon in uns auslösen, das den Abschied so unglaublich schwer macht. Und ich kann das nur bestätigen. Es ist, als ob ein unsichtbares Band entsteht, das in diesem Moment zerreißt. Es gibt diese Augenblicke, in denen du mehr fühlst, als du in Worte fassen kannst eine Mischung aus Liebe, Schmerz, Hoffnung und auch einer gewissen Hilflosigkeit.
Nicht immer ist man mit allen Pflegeeltern einverstanden, die die Kinder übernehmen, oder mit den Entscheidungen, die vom Gericht getroffen werden. Manchmal geht es darum, dass ein Kind wieder zu den leiblichen Eltern zurückkehrt, obwohl man sich mit dieser Entscheidung nicht immer vollständig identifizieren kann. 
Aber diese Entscheidungen lagen nicht in unserer Hand. Es war ein Teil des Prozesses, ein Teil des Lebens, das wir nicht beeinflussen konnten. Es war und ist immer eine Gratwanderung zwischen dem Vertrauen in das System und den eigenen Gefühlen, die durch den Abschied immer wieder aufs Neue aufgewühlt werden.


Trotz all der Unsicherheiten, trotz all des Schmerzes und der Zweifel bleibt eines immer klar: 

Diese Kinder hinterlassen Spuren, die niemals verschwinden.



Besonders dann, wenn es um Kinder geht, die für eine lange Zeit bei uns lebten.
Der Schmerz, den man fühlt, wenn ein Kind, das man in die Arme geschlossen hat, wieder geht, kann man nicht erklären.
Manchmal ist dieser Schmerz über Jahre hinweg präsent, leise und doch immer spürbar.

Die Zeit, die man miteinander verbracht hat, prägt die Beziehung und hinterlässt Spuren sowohl bei den Kindern als auch bei den Pflegeeltern. Die Fragen, wie es dem Kind später ergeht, wie sein Lebensweg weitergeht, lassen einen nicht los.
Es ist diese Mischung aus Freude und Trauer, die uns immer wieder begegnet.
Wenn ein Kind zurück zu seiner leiblichen Mutter darf, fühlt man eine Erleichterung, eine stille Hoffnung, dass es dort gut aufgehoben ist.

Doch gleichzeitig bleibt ein Hauch von Wehmut zurück, weil man sich aus diesem Band lösen muss, das man im Laufe der Zeit mit ihm geknüpft hat.
Genauso freue ich mich aber auch für Familien, die sich in der Anfangsphase befinden, wenn sie beginnen, ein Bereitschaftsbaby oder Kind  kennenzulernen und sich eine neue, vielleicht lebenslange Bindung aufbaut. Diese ersten Schritte sind voller Hoffnung und vielleicht auch Ängste, aber sie sind wichtig. Sie zeigen, wie stark die Verbindung zwischen einem Kind und seinen Pflegeeltern oder Adoptiveltern sein kann. 

In diesen Momenten wächst etwas, das vielleicht nie ganz in Worte gefasst werden kann, aber dennoch eine unglaublich tiefe Bedeutung hat.
Was mich persönlich bewegt, ist der Glaube, dass der Lebensweg eines Menschen seinen eigenen Plan hat. Auch wenn der Weg steinig und manchmal unklar erscheint, denke ich, dass er schon irgendwo festgelegt ist. 
Für jedes Kind gibt es eine Bestimmung, und manchmal führt uns das Leben auf Umwegen zu dem Ort, an dem wir wirklich gebraucht werden. Dieser Glaube bringt Trost in den Momenten, in denen wir nicht wissen, warum etwas passiert oder warum ein Kind in unser Leben kam und wieder ging.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass jeder dieser Wege wichtig ist für das Kind, für die Familie und für uns selbst. Der Schmerz und die Freude, die wir miteinander teilen, sind Teil eines größeren Ganzen, das uns alle prägt. Und in all diesem gibt es Hoffnung, dass das Leben für jedes Kind und jede Familie den richtigen Platz bereithält.



„Was nehme ich persönlich aus der Bereitschaftspflege mit?

Dieser Job hat mich nicht nur gefordert, sondern auch auf eine Weise bereichert, die ich mir nie hätte vorstellen können. Zu Beginn war ich sehr skeptisch. 
Wie könnte ich eine so enge Bindung zu einem fremden Kind aufbauen? 
Diese Vorstellung war mir fremd, und ich zweifelte daran, ob ich in der Lage wäre, ein Kind, das nicht mein eigenes war, mit derselben Liebe und Hingabe zu betreuen. Doch mit der Zeit lernte ich, dass Bindung kein Selbstläufer ist. 

Sie wächst in den kleinen, oft unscheinbaren Momenten, die man miteinander teilt. Zu einigen Kindern konnte ich eine gewisse Distanz wahren, was mir half, meine professionelle Rolle zu bewahren. Doch zu anderen, besonders zu denen mit schweren Schicksalen, wuchs eine tiefere, emotionalere Verbindung.

Der Abschied von diesen Kindern war nie leicht. Die Schicksale dieser Kinder haben mich zutiefst berührt, und oft wusste ich schon Wochen im Voraus, dass der Moment des Abschieds schwer werden würde. Die Tränen, die während dieser Zeit flossen, waren nicht nur Ausdruck von Verlust, sondern auch das Zeichen einer tiefen emotionalen Verbindung, die wir aufgebaut hatten. Diese Kinder sind ein Teil von mir geworden, und auch wenn sie weiterzogen, bleiben die Erinnerungen und Erfahrungen für immer in meinem Herzen.

Diese Erfahrung hat mich als Mensch und als Mutter wachsen lassen.
Sie hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Empathie und Liebe in den Vordergrund zu stellen, aber auch, wie entscheidend es ist, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu respektieren.
Besonders habe ich gelernt, dass jeder Mensch – ob Kind oder Erwachsener – seine eigene Geschichte hat, und dass es immer möglich ist, positive Spuren im Leben anderer zu hinterlassen.









Jugendämter nahmen 2023 rund 74 600 Kinder und Jugendliche in Obhut

Das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer ist unter der Nummer 116 111 erreichbar. 
Das Beratungsangebot ist kostenlos und auf Wunsch anonym. 
Weitere Telefonnummern für Kinder- und Jugendschutz:
Das Kinder- und Jugendschutztelefon der Stadt Frankfurt am Main ist unter der Nummer 0800 20 10 111 erreichbar. 

Das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch ist unter der Nummer 0800 22 55 530 erreichbar. 

In Hessen ist die Beratung für besondere Berufsgruppen unter der Nummer +49 69 212-73010 erreichbar. 

Die Psychologische Fachstelle Kinderschutz in Hessen ist unter der Nummer +49 69 212-33604 erreichbar. 


Im Notfall, bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, kann man sich auch an die Polizei wenden. 

Das Kinder- und Jugendtelefon ist eines der ältesten telefonischen Beratungsangebote der Welt und besteht seit 1980.



Wenn dich dieser Artikel angesprochen hat oder er dich zum Nachdenken über ein Thema angeregt hat, das dich schon länger beschäftigt, dann kannst du dich gerne bei mir melden.

Auch das Jugendamt in deiner Nähe oder ein freier Träger sind gute
Anlaufstellen, wenn du mehr
erfahren möchtest oder Unterstützung suchst.


Der Austausch vorab ist meiner Meinung nach der beste Schritt, den man machen kann. 
Hier lassen sich viele Fragen klären und Unsicherheiten abbauen. Einige Dinge, die ich weiß oder die in diesem Zusammenhang wichtig sind, darf ich leider nicht öffentlich teilen, aber ich stehe gerne für Gespräche zur Verfügung und helfe, wo ich kann. Es ist wichtig, sich gut informiert zu fühlen und die richtigen Schritte zu gehen, wenn man solch eine Entscheidung in Erwägung zieht. 




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